Hintergrund:

Die Teilnahme an einer Betriebsveranstaltung führt nach § 19 Abs. 1 S. 1 Nr. 1a S. 3 EStG zu Arbeitslohn, soweit der auf den einzelnen Arbeitnehmer entfallende Anteil an den Kosten den Freibetrag von 110 EUR übersteigt.

Im BMF-Schreiben vom 14.10.2015 vertritt die Finanzverwaltung hierzu die Auffassung, dass für die Aufteilung der Kosten die Anzahl der bei der Betriebsveranstaltung anwesenden Teilnehmer maßgeblich ist.

Sachverhalt:

Die Klägerin plante Ende des Jahres 2016 die Durchführung einer Weihnachtsfeier, wobei jeder Teilnehmer unbegrenzt Speisen und Getränke verzehren durfte. Von den ursprünglich angemeldeten 27 Arbeitnehmern sagten zwei kurzfristig ab, ohne dass dies zu einer Reduzierung der bereits veranschlagten Kosten durch den Veranstalter führte.

Die Klägerin berechnete im Rahmen der Lohnversteuerung die Zuwendungen an die einzelnen Arbeitnehmer, indem sie die ursprünglich angemeldeten 27 Arbeitnehmer berücksichtigte. Demgegenüber verlangte das Finanzamt, dass auf die tatsächlich teilnehmenden 25 Arbeitnehmer abzustellen sei, so dass sich ein höherer zu besteuernder Betrag ergab.

Urteil des Finanzgerichts Köln vom 27.06.2018:

In seinem Urteil widerspricht das Finanzgericht Köln der Ansicht der Finanzverwaltung. Es konnte nicht nachvollziehen, dass (nachträgliche) Absagen bzw. das Nichterscheinen einzelner Arbeitnehmer zu Lasten der teilnehmenden Arbeitnehmer gehen sollen. Diese durften ohnehin unbegrenzt Speisen und Getränke konsumieren und haben durch die Absage ihrer Kollegen keinen (weiteren) Vorteil erhalten.

Daher ist aus Sicht der Richter für die Ermittlung des Umfangs der lohnsteuerpflichtigen Zuwendungen, die Arbeitnehmer im Rahmen einer Betriebsveranstaltung zugewendet werden, auf die Anzahl der tatsächlich angemeldeten Teilnehmer abzustellen.

Hinweis:

Das Finanzgericht hat die Revision zum Bundesfinanzhof (BFH) zugelassen, damit dieser die Frage der Zurechnung der Kosten bei angemeldeten, aber nicht erscheinenden Teilnehmern einer Betriebsveranstaltung klärt.

 

 

Für allgemeine Fragen zu diesem Thema stehen Ihnen unser Geschäftsführer Herr Penzel und unsere Steuerberaterin Frau Lorenz unter Tel. 0351/8070140 gern zur Verfügung.

 

 

© WTS Wohnungswirtschaftliche Treuhand in Sachsen GmbH 2019

Design & Programmierung: www.4sax.net